Kleine Berliner Wunderkammer – Warum ich Fliesen plötzlich liebe
Ich habe einen Fehler gemacht. Einen teuren, klebrigen Fehler, der sich über die letzten fünf Jahre in jede Ritze meines Badezimmers gefressen hat. Als ich meine erste eigene Wohnung bezog, war ich überzeugt: Holzoptik im Bad ist der absolute Wahnsinn. Also verlegte ich günstige Laminatfliesen mit Holzmuster. Dumm. Die Fugen vergilbten innerhalb von sechs Monaten, das Muster blätterte an den Stoßkanten ab und jedes Mal, wenn ich duschte, roch es nach feuchtem Keller. Vor zwei Monaten habe ich alles rausgerissen. Jetzt liegen echte bathroom tiles im Raum, großformatig, hellgrau mit einer feinen Steinzeichnung. Der Unterschied ist wie Tag und Nacht. Die Reinigung geht mit einem Wischmopp in zwei Minuten, und die Räume wirken plötzlich doppelt so groß. Hätte ich das früher verstanden, hätte ich mir den halben Umbau gespart.
Das Problem mit Fliesen ist ja ihre Ewigkeit. Sie sind wie eine Ehe – man sollte sie nicht leichtfertig eingehen. Als ich meinen neuen Grundriss plante, stand ich vor einem 6 Quadratmeter kleinen Badezimmer in einer Altbauwohnung kein Platz für ein Waschbecken mit Unterschrank, keine Nische für einen Wäschekorb. Also entschied ich mich für durchgehende, große bathroom tiles, 60x120 Zentimeter, verlegt im Wildverband. Das verlängert den Raum optisch und minimiert die Fugenanzahl. Ich habe sogar den Bodenbelag in die Dusche hineingezogen, ohne Abtrennungsschwelle. Das verlangt absolute Präzision beim Gefälle, aber das Ergebnis ist ein fließendes, nahtloses Bild. Plötzlich passt sogar ein kleiner Hocker für Seifen und Shampoos in die Ecke, den ich vorher nie unterbringen konnte.
Aber nicht nur das Bad selbst profitierte von der Renovierung. Die ganze Wohnung hat sich verändert. Mein Schlafzimmer, das früher ein Sammelsurium aus losen Klamotten und einem durchgelegenen Bett war, bekam eine neue Ordnung. Weil ich im Bad endlich Stauraum für Handtücher und Putzmittel geschaffen hatte, konnte ich im Schlafzimmer einen bed with storage integrieren. Ein stabiler Rahmen mit drei großen Schubladen unter der Liegefläche. Dort verschwinden jetzt Winterdecken, Gästebettwäsche und meine Sammlung alter Interior-Magazine. Vorher stapelten sich diese Dinge in offenen Kisten unter dem Fenster. Es ist erschreckend, wie viel Platz ein einziger, durchdachter Möbelblock freiräumen kann.
Der größte Test für mein neues System kam, als meine Schwester mit ihrem Freund für ein Wochenende ankündigte. In meiner 45 Quadratmeter Wohnung kein Problem, dachte ich. Tagsüber sitzen wir im Wohnbereich, nachts schlafen sie im Wohnzimmer auf dem sofa bed, das ich extra für solche Fälle angeschafft habe. Ein Modell mit einem komfortablen click-clack mechanism, der die Rückenlehne mit einem leisen Klicken in eine horizontale Fläche verwandelt. Die Matratze ist kein durchgelegener Schaumstoff, sondern eine richtige 16 Zentimeter dicke foam mattress mit integriertem Topper. Kein Durchfedern auf der slatted frame, keine störenden Stäbe im Rücken. Die ersten zwei Stunden bauten wir das Ding auf, lasen die Anleitung dreimal falsch herum, aber dann stand es.
Die Gäste waren begeistert. Meine Schwester, die schnell rückenschmerzanfällig ist, fragte am nächsten Morgen, wo ich die Matratze her hätte. Der Trick ist die Kombination aus einer stabilen Unterfederung und einer Schaumauflage, die nicht nachgibt. Viele Polstermöbel sind auf Ästhetik getrimmt und ignorieren die Schlafqualität völlig. Ich habe vor dem Kauf fünf verschiedene Modelle im Möbelhaus getestet, bin auf jeder Liegefläche gelegen und habe die Mechanik mindestens zehnmal ausgeklappt. Das Modell, das ich wählte, hat eine velvet upholstery in einem dunklen Olivton. Sie fühlt sich weich an, ist aber strapazierfähig genug, um ein Glas Rotwein zu überleben – der Test verlief zum Glück negativ.
Zurück zu den Fliesen. Denn die Harmonie in der steht und fällt mit der Materialsprache. Ich habe im Bad einen warmen, sandsteinähnlichen Ton gewählt, der an südliche Küsten erinnert. Im Wohnzimmer liegt ein heller Eichenparkett, und die Brücke zwischen den Räumen bilden die Türen und die Accessoires. Die bathroom tiles sind matt, nicht glänzend. Glanzfliesen sehen in der Ausstellung toll aus, aber sobald ein Tropfen Wasser darauf fällt, sieht man jeden Kalkfleck. Matt hingegen kaschiert kleine Schlieren und fühlt sich angenehm warm unter den Füßen an, besonders wenn man nachts barfuß zur Toilette tapscht. Ich habe eine Fußbodenheizung darunter verlegt, aber das ist ein Luxus, den ich mir nur durch den Verzicht auf teure Designer-Accessoires erlaubt habe.
Was ich an der Kombination aus robustem Bad und flexiblem Wohnzimmer so schätze, ist die Entspanntheit. Ich muss keine Gäste mehr in einem unordentlichen Raum empfangen, weil das sofa bed innerhalb von 30 Sekunden verschwindet. Der click-clack mechanism arbeitet leise und präzise, keine quietschenden Scharniere. Und wenn die Gäste wieder abgereist sind, klappe ich das Teil hoch, und der Raum ist wieder ein Wohnzimmer mit einer gemütlichen Couch für das Wochenende. Der bed with storage im Schlafzimmer hat übrigens noch einen unerwarteten Vorteil: Ich habe endlich einen Ort für die oversized Kuscheldecke, die ich von meiner Oma geerbt habe. Vorher lag sie zusammengeknüllt auf dem Sessel, jetzt verschwindet sie in der untersten Schublade.
Letzte Woche war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ihr Badezimmer ist ein Paradebeispiel für das, was schieflaufen kann. Sie hat kleine, billige Mosaikfliesen an der Wand, beige, mit dunklen Fugen. Die Fugen sind nach drei Jahren voller Schimmel, und die Reinigung mit der Zahnbürste ist ihr täglicher Frust. Sie überlegt jetzt, alles rauszureißen und machtlos zuzusehen, wie der Schimmel immer weiterkriecht. Ich habe ihr geraten, auf großformatige bathroom tiles zu setzen, mit einer Fugenfarbe, die hell und imprägniert ist. Sie schüttelte den Kopf. Zu aufwendig, zu teuer. Aber ich weiß, sie wird in einem Jahr anrufen und fragen, ob mein Fliesenleger Zeit hat. Das ist der Kreislauf der Renovierung – man muss die richtige Wahl treffen, sonst macht man alles zweimal.