Tapetentrends: Frischer Wind für meine vier Wände
Ich stehe wieder einmal im Baumarkt vor dem riesigen Regal mit Tapetenrollen und bin völlig überfordert. Letztes Jahr war es noch der Skandi-Look mit hellen Holztönen, dieses Jahr flüstern mir die Verkäufer von kräftigen Farben und wilden Mustern. Aber ich will nicht einfach jeden Trend blind kopieren. Ich habe in den letzten Jahren zu viele Wohnungen eingerichtet, um zu wissen, dass nicht jedes Hochglanzmagazin-Motiv in meine 55 Quadratmeter Altbauwohnung passt. Die Tapetentrends für dieses Jahr sind erfreulich vielfältig, aber sie fordern auch eine klare Entscheidung. Ich habe mich hingesetzt, mein Wohnzimmer genau vermessen und überlegt, wo eine gemusterte Wand wirklich zur Geltung kommt, ohne den Raum zu erdrücken. Denn nichts ist frustrierender als eine Wand, die nach zwei Wochen wieder runter muss, weil sie einfach zu laut ist.
Mein absoluter Favorit in diesem Jahr ist die Naturtapete mit grasgrünen Blättern oder . Sie bringt diese erdige Ruhe in den Raum, die ich nach einem langen Bürotag so dringend brauche. Ich habe mich für eine Tapete mit matter Oberfläche entschieden, die sich fast wie Stoff anfühlt. Die Farbe ist nicht knallig, sondern eher ein gedecktes Moosgrün. Dazu habe ich meine neue Couch in einem warmen Sandton gestellt. Der Kontrast ist genau richtig. Wenn dann abends das Licht der Stehlampe auf die strukturierte Tapete fällt, entsteht eine fast meditative Atmosphäre. Ich überlege sogar, das Schlafzimmer in einem ähnlichen Stil zu tapezieren, aber mit einem helleren Olivton. Das wäre eine schöne Verbindung zwischen den Räumen, ohne dass es langweilig wird.
Dann gibt es da noch die mutigen unter den Tapetentrends, die geometrischen Muster. In einer Freundeswohnung habe ich eine ganze Wand mit einem großen, abstrakten Rautenmuster in Blau und Grau gesehen. Es sah aus wie ein modernes Kunstwerk. Allerdings muss man bei solchen Mustern aufpassen, dass sie nicht mit den Möbeln konkurrieren. In ihrem Fall stand ein schlichtes, weißes Bett davor, und der Effekt war großartig. Bei mir wäre das schwieriger, weil ich ein Bett mit Stauraum habe, das schon genug Aufmerksamkeit beansprucht. Vielleicht wäre eine Tapete mit einem feineren, fast unsichtbaren Muster besser, die nur aus der Nähe ihre Struktur zeigt. So eine Tapete wirkt wie ein neutraler Hintergrund, gibt dem Raum aber trotzdem eine besondere Note.
Eine Entwicklung, die ich richtig spannend finde, ist der Trend zu Tapeten, die andere Materialien imitieren. Ich spreche nicht von der billigen Steinoptik aus den Neunzigern, sondern von hochwertigen Nachbildungen von Leinen, Samt oder sogar Beton. Eine Tapete mit einer feinen Leinenstruktur in einem hellen Beige-Ton kann beispielsweise ein kleines Gästezimmer viel wohnlicher machen. Vor allem, wenn dort meine klappbare Gästematratze steht, die sonst immer etwas kühl wirkt. Die Struktur der Tapete nimmt dem Raum die Härte. In meinem Arbeitszimmer habe ich mich für eine Tapete in einer sanften Betonoptik entschieden, die kombiniert mit viel Holz und Pflanzen einen urbanen, aber gemütlichen Look ergibt.
Ein echtes Problem in meiner Wohnung ist der kleine Flur. Da kommt man kaum rein, geschweige denn, dass man dort groß Möbel stellen könnte. Ich habe mich für eine Tapete mit einem vertikalen Streifenmuster in hellem Grau und Weiß entschieden. Die Streifen ziehen den Raum optisch in die Höhe, und der helle Grund lässt ihn breiter wirken. Früher hätte ich vielleicht eine Wischfest-Tapete gewählt, weil der Flur stark beansprucht wird. Aber dieses Jahr setze ich auf eine Vliestapete, die sich später auch leichter wieder ablösen lässt. Ich habe gelernt, dass eine gute Tapete nicht ewig halten muss, sondern dass man sie auch mal wechseln dürfen sollte, wenn der Trend oder die eigene Stimmung sich ändert.
Ich habe auch eine Menge über die richtige Unterlage gelernt. Für eine schwere Tapete mit dickem Muster braucht es einen guten Untergrund. Das habe ich bei meiner ersten Renovierung schmerzhaft erfahren. Die Tapete hat sich nach ein paar Monaten an den Stößen gelöst. Jetzt achte ich darauf, dass die Wand glatt und trocken ist. Bei meiner neuen Tapete im Wohnzimmer habe ich extra einen Vliesgrund aufgetragen. Das klingt nach viel Arbeit, aber es lohnt sich. Denn eine schief hängende Tapete ist ein ständiger Störfaktor im Raum. Die Mühe, die ich mir bei der Vorbereitung mache, zeigt sich später in der sauberen Optik und der Langlebigkeit der Wandgestaltung.
Wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich eine Mischung aus den aktuellen Trends. Die Naturtapete bleibt, aber sie wird mutiger kombiniert. Vielleicht ein Streifenmuster im Flur und eine Blättertapete im Wohnzimmer, verbunden durch eine Farbe, die in beiden Mustern vorkommt. Ich könnte mir auch vorstellen, eine Tapete nur als breite Bordüre unter der Decke zu verwenden, um einen Raum zu rahmen. Das wäre eine dezente Art, einen Trend aufzugreifen, ohne das ganze Zimmer zu tapezieren. Letztendlich geht es darum, dass die Wände meine Persönlichkeit widerspiegeln und nicht die eines Zeitschriftencovers. Die Tapetentrends sind eine Inspiration, aber der Mut zur eigenen Entscheidung macht den Unterschied.